★★★★ Beziehung als Existenz: vom Sein zur Funktion Konkret die Perspektive für unser Leben und das Leben unserer Familien. Teil 1
- 3. Mai
- 8 Min. Lesezeit
Beziehung als Existenz: vom Sein zur Funktion
Konkret die Perspektive für unser Leben und das Leben unserer Familien.
Wir versuchen, den Mangel unserer Familie klar zu schmecken und herauszuarbeiten.
Dazu fühlen wir uns in die ganz konkrete Existenz der einzelnen Personen hinein — zum Beispiel in einen Sonntagmorgen beim Frühstück.
Die erste Idee ist: Was wäre die ideale Existenz?
Da taucht zunächst diese Vorstellung auf:
Sonntagmorgen. Sonntag.
Ob zu Hause oder im Urlaub: einfach das Leben genießen.
auf einer Liege liegen
Martin Suter lesen
einen schönen Kuchen essen
Und das am besten zu Hause, weil es dort am entspanntesten wäre. Einfach da sein und das Leben genießen.
Dann stellt sich die Frage:
Warum können die das nicht?
Die Antwort wäre:
Sie können es nicht, weil es diese Existenz so nicht gibt.
Und dann die Gegenfrage:
Warum machen wir das nicht?
Weil es eine Fantasievorstellung ist. Weil es diese Form von „einfach das Leben genießen“ schlicht und ergreifend nicht gibt. Weil es, zugespitzt gesagt, Quark ist.
Also stellt sich die eigentliche Frage:
Was funktioniert wirklich?
Was funktioniert, ist fundamentales unternehmerisches Tätigsein. Nicht bloß unternehmerisch im wirtschaftlichen Sinn, sondern fundamental unternehmerisch: entwickeln im Alltag.
Egal ob beim Klo putzen, beim Philosophie machen oder beim Spazierengehen — es geht darum, sich selbst zu entwickeln.
Dieses Sich-selbst-Entwickeln ist fundamentales unternehmerisches Tun.
Und wahrscheinlich ist genau das schlicht und ergreifend das einzig Wahre, was wirklich funktioniert.
Dann kommt die nächste Frage:
Wie geht das?
Oder: Wo erscheint der erste operative Engpass?
Empirisch ist bei uns festzustellen: Diese Art zu existieren — als fundamentales Entwickeln — funktioniert nur in der Paarbeziehung.
Das kann einem gefallen oder nicht.
Das kann auch uns gefallen oder nicht.
Aber empirisch zeigt es sich so:
Es geht ausschließlich in der Paarbeziehung.
Und genau hier kommen wir an den Punkt, an dem es bei unseren Familien zuerst richtig operativ kracht.
Sammlung dazu.
Der Mangel der Familie besteht nicht einfach darin, dass sie das Leben nicht genießen kann. Der Mangel besteht tiefer darin, dass sie Leben als Zustand genießen will, obwohl Leben nur als Entwicklung funktioniert.
Das ist die klassische 1.0-Fantasie von gelingendem Leben: endlich kein Druck, endlich kein Müssen, endlich Genuss, endlich Zustand. Leben soll ankommen. Leben soll sein. Leben soll sich beruhigen.
Der Mensch 1.0 sucht Erfüllung als Zustand.
Der Mensch 2.0 erkennt Erfüllung als Entwicklung.
Denn damit verschiebt sich die Frage radikal:
Nicht mehr:
Wie kann ich endlich genießen?
Sondern:
Welche Form von Leben funktioniert so, dass Genuss nicht als Flucht gebraucht wird?
Und unsere Antwort lautet:
Fundamentales Unternehmertum.
Ich entwickle Wirklichkeit, indem ich mich im Alltag entwickle.
Beim Klo putzen.
Beim Spazierengehen.
Beim Philosophieren.
Beim Frühstück.
Beim Kranksein.
Beim Nicht-in-den-Urlaub-Fahren.
Beim Schmerz.
- und all das im Bezihung-tun
1.0 will das Leben genießen, indem es Entwicklung beendet.
2.0 genießt das Leben, indem es Entwicklung vollzieht.
1.0 sucht Genuss ohne Werden.
2.0 erkennt: Genuss entsteht nur im Werden.
Das Ziel ist dabei das Werden und nicht der Genuss.
Familie 1.0 will Beziehung als stabilisierende Struktur.
Paar 2.0 vollzieht Beziehung als entwickelnde Funktion.
Nächste Runde
Das heißt in aller Konsequenz:
Ich als wahre funktionale Funktion existiere nur in der Paarbeziehung.
Das ist ziemlich abgefahren.
Bisher fehlt uns noch ein Begriff für das fundamental menschliche Paar als Funktion.
Ein erster Geschmack dazu wäre:
Entwicklungsraum.
Eine andere Idee:
Das Paar ist das Entwicklungsorgan des Menschen 2.0.
Die Beziehung ist die operative Bedingung, unter der Entwicklung überhaupt konkret wird.
Der Ausdruck unserer Familien zum Anti-Entwickeln präzisiert sich darin, dass sie die Beziehung zu uns maximal zu kappen, zu pervertieren, zu negieren und damit als Entwicklungsraum zu zerstören versuchen.
Das Krasse daran ist:
Sie leben aus der Beziehung.
Ganz faktisch. Ganz konkret.
Sie leben aus der Beziehung, indem sie die Beziehung wegbestimmen und sie dadurch als Entwicklungsraum unmöglich machen.
Das bedeutet konkret:
Bisher dachten wir: Weil unsere Familien sich getrennt bestimmen, haben wir gar keine wirkliche Beziehung zu ihnen.
Faktisch ist aber das Gegenteil der Fall.
Ganz wörtlich können wir gar keine ausgeprägtere Beziehung zu unseren Familien haben — am offensichtlichsten bei Martin —, weil unsere Familien maximal in der Beziehung mit Martin leben und aus dieser Beziehung leben, indem sie diese maximal bestimmen, nämlich maximal wegbestimmen.
Das bedeutet:
Sie bestimmen sich maximal aus der Beziehung mit Martin.
Somit ist im jetzigen Tun, also in dem daraus resultierenden Mangel, die Wahrheit bereits maximal da:
Die Beziehung ist das, woraus ihre Existenz resultiert.
Sie liegt jedoch als Mangel vor, weil sie nicht funktional ist.
Nochmals:
Sie bestimmen sich getrennt.
Aber was faktisch passiert, ist:
Sie leben maximal aus der Beziehung, indem sie diese Beziehung bestimmen.
Das resultiert im Mangel einer konstruktiven Beziehung.
Aber in diesem Mangel steckt bereits die Wahrheit:
Sie existieren aus Beziehung — nur noch dysfunktional.
Sammlung dazu.
Nicht Beziehung fehlt.
Sondern Beziehung ist maximal vorhanden — aber im Modus ihrer Negation.
Bisher war die naheliegende Lesart:
Die Familie bestimmt sich getrennt, also gibt es keine Beziehung.
Die neue Lesart ist viel präziser:
Die Familie bestimmt sich getrennt, aber diese Getrenntbestimmung ist selbst ihr Beziehungsmodus.
Oder noch schärfer:
Sie sind nicht beziehungslos.
Sie beziehen sich, indem sie Beziehung verhindern.
Die Familie ist nicht einfach „nicht da“.
Sie ist maximal da — aber als Wegbestimmung.
Sie lebt nicht außerhalb der Beziehung.
Sie lebt aus der Beziehung, indem sie diese Beziehung negiert.
1.0 bestimmt das, woraus es lebt, weg.
Damit wird der Familienmangel viel präziser:
Der Mangel ist nicht:
Es gibt keine Beziehung.
Sondern:
Die Beziehung ist da, aber sie ist nicht funktional.
Oder:
Beziehung liegt als Mangel ihrer eigenen Funktion vor.
Im Mangel liegt bereits die Wahrheit.
Wenn die Familie so massiv aus der Beziehung lebt, dann beweist ihr eigenes dysfunktionales Tun bereits, dass Beziehung die fundamentale Wahrheit ist. Nur kann diese Wahrheit in 1.0 nicht konstruktiv vollzogen werden. Sie erscheint deshalb als Wegbestimmung, Kappung, Pervertierung, Negation.
Die Paarbeziehung ist der Entwicklungsraum.
Das Paar ist das Entwicklungsorgan.
Eine maximale Verdichtung
Die Familie lebt aus der Beziehung, indem sie Beziehung wegbestimmt. Genau dadurch zeigt ihr Mangel bereits die Wahrheit: Existenz entsteht aus Beziehung — aber in 1.0 nur dysfunktional.
Der Mensch 2.0 existiert nicht als isoliertes Individuum, sondern als wahre Funktion im Paar. Das Paar ist sein Entwicklungsorgan. In ihm wird Beziehung zur operativen Bedingung konkreter Entwicklung.
Der Mangel der Familie besteht darin, dass sie ebenfalls aus Beziehung lebt, diese Beziehung aber nicht funktional vollziehen kann. Deshalb bestimmt sie Beziehung weg. Sie kappt, pervertiert und negiert den Entwicklungsraum, aus dem sie faktisch ihre eigene Existenz bezieht.
So zeigt sich im Mangel bereits die Wahrheit: Beziehung ist die Grundlage der Existenz. In 1.0 erscheint sie als dysfunktionale Wegbestimmung; in 2.0 wird sie als Entwicklungsorgan wahr.
Familie 1.0 lebt aus Beziehung, indem sie Beziehung bestimmt.
Paar 2.0 lebt Beziehung, indem es Entwicklung vollzieht.
Nächste Runde.
Was ist zu tun?
Salopp könnte man sagen:
In der 1.0-Familiengeschichte wurde jetzt maximal exzessiv die Bedeutung der Beziehung als strukturelle Existenz ausgebildet.
Beziehung wurde nicht funktional vollzogen, sondern als funktionaler Mangel ausgebildet.
Nun ist es an der Zeit, aus diesem funktionalen Mangel einen funktionalen Vollzug auszubilden.
Oder anders:
Die Familie 1.0 hat Beziehung als Mangel maximal sichtbar gemacht.
Jetzt geht es darum, diese sichtbar gewordene Wahrheit nicht länger als Mangel zu erleiden, sondern als Funktion zu vollziehen.
Sammlung dazu.
Das ist ein sehr klarer Umschlagspunkt.
Bisher war die Familiengeschichte nicht einfach „falsch“, „schlimm“ oder „beziehungslos“. Sie hatte eine Funktion: Sie hat die Bedeutung von Beziehung maximal herausgebildet — aber eben im falschen Modus.
Die Familie hat Beziehung als strukturelle Existenzabhängigkeit ausgebildet.
Das heißt:
Sie lebt aus Beziehung.
Sie bestimmt sich aus Beziehung.
Sie reagiert auf Beziehung.
Sie braucht Beziehung.
Sie organisiert ihre Existenz über Beziehung.
Aber sie kann Beziehung nicht funktional vollziehen.
Darum erscheint Beziehung in 1.0 als:
Kappung, Negation, Vereinnahmung, Schuld, Bestimmung, Verletzung, Wegbestimmung.
Das ist der funktionale Mangel.
Nicht Beziehung fehlt.
Sondern Beziehung ist als Mangel überdeutlich da.
1.0 hat Beziehung als strukturelle Abhängigkeit ausgebildet.
2.0 bildet Beziehung als funktionalen Vollzug aus.
Die bisherige Familie hat die Wahrheit der Beziehung im Mangel sichtbar gemacht.
Die zukünftige Familie hat nun die Aufgabe, diese Wahrheit als Funktion zu vollziehen.
Es geht darum, die im Familienmangel enthaltene Wahrheit herauszulösen:
Existenz entsteht aus Beziehung.
Aber diese Wahrheit darf nicht mehr als Abhängigkeit, Schuld, Kappung oder Kampf erscheinen. Sie muss als Entwicklungsfunktion erscheinen.
Das zu Tuende ist also:
Beziehung nicht mehr strukturell erleiden, sondern funktional vollziehen.
Die 1.0-Familie hat Beziehung als Mangel maximal ausgebildet.
Das 2.0-Familie bildet aus diesem Mangel den Vollzug von Beziehung als Entwicklung.
Aus Beziehung als Mangel wird Beziehung als Funktion.
Der Mangel der Familie ist nicht bloß Defizit. Er ist die übersteigerte Vorform der Funktion.
Die Familie zeigt durch ihr dysfunktionales Tun:
Beziehung ist existenziell.
Aber sie zeigt es falsch:
Sie macht Beziehung zur Struktur, zur Abhängigkeit, zur Bestimmung.
Das Familie 2.0 macht denselben Inhalt wahr:
Es macht Beziehung zum Entwicklungsorgan.
Damit ergibt sich:
Familie 1.0: Beziehung als strukturelle Existenz.
Familie 2.0: Beziehung als funktionaler Vollzug.
Eine klarere Fassung.
Was ist zu tun?
In der 1.0-Familiengeschichte wurde die Bedeutung der Beziehung maximal exzessiv ausgebildet — jedoch nicht als funktionaler Vollzug, sondern als struktureller Mangel.
Die Familie lebt aus Beziehung, kann Beziehung aber nicht als Entwicklung vollziehen. Deshalb erscheint Beziehung dort als Kappung, Negation, Vereinnahmung und Wegbestimmung.
Gerade darin liegt die Wahrheit bereits offen da:
Beziehung ist die Grundlage der Existenz.
Nun ist es an der Zeit, diese Wahrheit aus ihrem Mangelausdruck zu lösen.
Aus Beziehung als strukturellem Mangel muss Beziehung als funktionaler Vollzug werden.
Oder kurz:
Die Familie 1.0 hat Beziehung als Mangel ausgebildet.
Das Familie 2.0 bildet Beziehung als Funktion aus.
Was bedeutet das konkret, ein erster Versuch?
Nächste Runde
Um weiterzukommen, wäre jetzt vielleicht die Zeit zu klären, wie die Beziehungen zueinander in Beziehung stehen.
Prinzipiell gibt es drei Beziehungsebenen:
1. die innermenschliche Beziehung
2. die Paarbeziehung
3. die familiäre Beziehung
4. die unternehmerische Beziehung zur Außenwelt
Noch ist nicht klar, wie diese Beziehungen logisch zueinander stehen.
Ein erster Versuch:
Die innermenschliche Beziehung bringt sich als Paarbeziehung zum Ausdruck.
Die Paarbeziehung wiederum bringt sich als familiäre Beziehung zum Ausdruck.
Also zunächst:
von innen nach außen.
Innermenschliche Beziehung → Paarbeziehung → familiäre Beziehung.
Dies ist jedoch nicht linear zu verstehen, sondern selbstrekursiv.
Das bedeutet:
Der Ausdruck ist nicht bloß das Ergebnis vom Ausdruckendem.
Der Ausdruck ist zugleich das Geburtsorgan dessen, der sich durch ihn ausdrückt
Die Paarbeziehung ist Ausdruck der innermenschlichen Beziehung.
Die Paarbeziehung ist das Geburtsorgan für die Entwicklung der innermenschlichen Beziehung.
Die Familienbeziehung ist Ausdruck der Paarbeziehung.
Die Familienbeziehung ist das Geburtsorgan für die Entwicklung der Paarbeziehung.
Unternehmertum ist Ausdruck der Familienbeziehung.
Unternehmertum ist das Geburtsorgan für die Entwicklung der Familienbeziehung.
Eine steile These daraus wäre, dass die Veränderung des Unternehmertums vielleicht die Stelle ist, in der sich alles transformiert.
Sammlung dazu.
Von innen nach außen als Ausdruck.
Von außen nach innen als Geburt.
Das Innere drückt sich nach außen aus.
Der äußere Ausdruck gebiert rückwirkend das Innere als seine Entwicklung.
Die Beziehung drückt sich nach außen aus und gebiert sich durch ihren Ausdruck nach innen zurück.
Die innermenschliche Beziehung wird Paarbeziehung.
Die Paarbeziehung wird familiäre Beziehung.
Und jede äußere Beziehung ist das Geburtsorgan der inneren Beziehung, die sich durch sie ausdrückt.
Nächste Runde.
Ein steiler Versuch.
Aus der Empirie
Die Familie bildet Beziehung als Mangel aus.
Das Paar bildet Beziehung als Funktion aus.
Als vorläufige, vage These
Die Familie ist der Mangelausdruck, durch den das Paar seine Funktion erkennt.
Die Vier-Ebenen-Struktur ist nicht modal homogen. Bei Martin und Gabi:
> Innermenschlich: 2.0
> Paar: 2.0
> Familie: 1.0-Mangel
> Unternehmertum: noch unklar, vermutlich gemischt
Super steile These:
Eine Ebene wird 2.0 dadurch, dass sie die nächst-äußere Ebene als Mangel trägt.
Innermenschlich wurde 2.0 durch das Tragen des damals noch mangelhaften Paar-Bezugs (vor Gabi). Das Paar wurde 2.0 durch das Tragen des Familienmangels. Die Familie würde 2.0 durch das Tragen des Unternehmertum-Mangels — usw.
> Das Paar ist der Mangelausdruck, durch den der Innermensch seine Funktion erkennt.
> Die Familie ist der Mangelausdruck, durch den das Paar seine Funktion erkennt.
> Das Unternehmertum ist der Mangelausdruck, durch den die Familie ihre Funktion erkennt.
Eine gewissermaßen Erlösungslogik wäre wenn das Außen ein 2.0 Umfeld wäre, das dann das ein inneres 1.0 zu 2.0 gebiert.
Konkret kann die 1.0-Familie aus sich heraus nicht den Mangel des Unternehmertums 1.0 tragen und somit kann sie sich nicht zu 2.0 entwickeln.
Wenn es jedoch ein 2.0-Unternehmertum gäbe, das wir erschaffen hätten, so würde dieses 2.0-Unternehmertum, in dem sich die 1.0-Familie befindet, rückwirkend die Familie 1.0 zu einer Familie 2.0 gebären.
03.05.2026 © ReckLab.de


