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★★★ Unternehmerisches Tun als Ausdruck göttlichen Tuns in der Welt, Teil 3

  • 10. Apr.
  • 6 Min. Lesezeit

Unternehmerisches Tun als Ausdruck göttlichen Tuns in der Welt, Teil 3


Soweit ich mich erinnere, gibt es in der buddhistischen Tradition oder in anderen fernöstlichen Religionen und Praktiken die Idee, dass ein besonderes Nichttun die höchste Form des Tuns ist. Das könnte strukturell sehr nahe an unserem Begriff des wahren Tuns liegen: dem schmeckenden Sich-vollziehen-Lassen.


Im nächsten Schritt möchte ich präziser auf das Thema Schmecken eingehen.

Wahrscheinlich ist für das Schmecken vor allem eines zentral: Offenheit.

Offenheit für einen Geschmack, den man noch nicht zuordnen kann, den man noch nicht kennt, der in dem Moment vielleicht noch keinen Sinn ergibt. Das wäre wahres Schmecken.

Der andere Punkt ist:

Schmecken kann ich nur etwas, das ich verkörpere.

Schmecken ist also untrennbar an Verkörperung gebunden.

Die Verkörperung dessen, was ich schmecke, ist letztlich die Voraussetzung des Schmeckens.



Sammlung dazu 


Schmecken ist Offenheit für den noch nicht verstandenen verkörperten Mangel.


Schmecken ist nie bloß geistige Beobachtung von außen. Ich schmecke nicht etwas, das ich nur theoretisch kenne. Ich schmecke nur, was in mir, an mir, durch mich, als Ausdruck wirklich da ist.


Ohne Verkörperung kein Schmecken.

Oder noch präziser:

Schmecken ist nur möglich als innere Rückwirkung von Verkörperung.


Ausdruck wirkt zurück,

Körper wirkt auf Geist,

Mangel wird nicht bloß gedacht, sondern getragen,

daraus entsteht Wollen.


In dieser Runde wird also deutlicher: Schmecken hat mindestens drei Bedingungen.

Erstens: Verkörperung

Es muss real in mir da sein.

Zweitens: Offenheit

Ich darf es nicht vorschnell schließen oder bestimmen.

Drittens: Nicht-Korrelation

Ich darf nicht verlangen, dass es schon in mein bisheriges Sinnsystem passt.


Schmecken ist dann nicht:

bloß fühlen

bloß registrieren

bloß reflektieren

bloß analysieren

sondern:

verkörperten Mangel offen zulassen, ohne ihn vorschnell zu schließen, bis daraus Wollen entsteht.


Der Versuch einer Verdichtung 


Wahres Tun erscheint äußerlich leicht als Nichttun, weil es nicht im Bestimmen, sondern im schmeckenden Sich-vollziehen-Lassen besteht. Schmecken setzt dabei zweierlei voraus: Verkörperung und Offenheit. Ich kann nur schmecken, was ich selbst verkörpere, und ich kann es nur dann wahr schmecken, wenn ich offen bleibe für einen Geschmack, den ich noch nicht kenne, nicht zuordnen kann und der vielleicht im Moment noch keinen Sinn ergibt. Gerade darin liegt die Wahrheit des Schmeckens.


Noch dichter:

Schmecken ist verkörperte Offenheit für den noch nicht verstandenen Mangel.


Kurzformeln

Schmecken ist verkörperte Offenheit.


Dann:

Wahres Tun erscheint als Nichttun, weil es schmeckendes Sich-vollziehen-Lassen ist.


Und noch dichter:

Ohne Verkörperung kein Schmecken. Ohne Offenheit kein wahres Schmecken.






Zweite Runde 



Das, was man bestimmen kann, kann man nicht wirklich schmecken.

Denn schmecken kann man nur das, was da ist — und damit etwas da ist, muss es verkörpert sein.

Schmecken ist, technisch gesprochen, Empirie.

Empirie bedeutet:

das, was wirklich da ist.

Bestimmen bezieht sich dagegen auf das, was ich setze, ordne, behaupte oder zuordne.

Schmecken bezieht sich auf das, was sich wirklich verkörpert hat und darum als Wirklichkeit erfahren werden kann.




Sammlung dazu 


Bestimmen bezieht sich auf Gesetztes, Schmecken auf Gegebenes.


Schmecken setzt etwas anderes voraus:

dass etwas wirklich da ist,

nicht nur gedacht,

nicht nur behauptet,

nicht nur projiziert,

sondern verkörpert vorhanden.


Der stärkste Satz:

Schmecken ist die Rückwirkung des Verkörperten, nicht die Verarbeitung des Bestimmten.


Bestimmen ist setzend.

Schmecken ist empfangend.


Empirie ist das (in mir) verkörpert Gewordene.


Schmecken ist Tun 2.0

Schmecken macht aus Mangel Wollen

Schmecken setzt Verkörperung voraus

1.0 bestimmt weg

2.0 schmeckt wahr


1.0 versucht Wirklichkeit durch Bestimmung zu beherrschen, 2.0 lässt Wirklichkeit als Verkörperung auf sich zurückwirken


Der Versuch einer Komprimierung 


Bestimmen und Schmecken sind nicht dasselbe. Bestimmen bezieht sich auf das, was gesetzt, geordnet oder zugeordnet wird. Schmecken bezieht sich auf das, was wirklich da ist. Damit etwas wirklich da ist, muss es verkörpert sein. Schmecken ist daher technisch gesprochen Empirie: die Rückwirkung des verkörpert Gewordenen. Was bloß bestimmt, aber nicht verkörpert ist, kann nicht wirklich geschmeckt werden.


Noch dichter:

Empirie ist das, was verkörpert da ist; Schmecken ist seine Rückwirkung.


Kurzformeln:

Schmecken ist nur am Verkörperten möglich.


Dann:

Empirie ist das, was da ist.


Und noch dichter:

Bestimmen setzt. Schmecken erfährt.



Empirie ist das verkörpert Gewordene; Schmecken ist seine Rückwirkung





Sammlung zu gesandten Text 



1. Das Wu Wei des Menschen 2.0 (Die Illusion der Passivität)

In der 1.0-Welt gilt Nichttun als Faulheit, Schwäche oder Kapitulation. Wahre Aktivität wird dort immer mit Schweiß, Lärm und Bestimmen verwechselt.

Wenn der Mensch 2.0 aber in den Modus des „schmeckenden Sich-vollziehen-Lassens“ geht, sieht das von außen oft aus wie Passivität, weil das 1.0-Drama fehlt. In Wahrheit laufen im Inneren des 2.0-Systems die Turbinen auf Hochtouren. Das System trägt den Mangel, verdaut die Reibung und wandelt Entropie in Emergenz um. Das ist Hochleistungssport für körper und Geist.


2. Die Anatomie des Schmeckens (Die 3 Bedingungen)

Dass das Schmecken an die Verkörperung gebunden ist, schließt die Lücke zwischen Theorie und Praxis. Warum scheitern so viele an Veränderung? Weil sie versuchen, Konzepte nur intellektuell zu "verstehen".


drzei Bedingungen für den 2.0-Vollzug:


  *Verkörperung:** Der Schmerz, das Problem, die Okkupation der Firma – all das darf kein abstraktes Gedankenspiel sein. Es muss in den Knochen, im Alltag, in der Realität da sein. Das Universum kann nur mit Materie arbeiten, nicht mit Konjunktiven.


  *Offenheit:** Das ist die aktive Weigerung, den Reflex des 1.0-Systems zu bedienen. Das 1.0-System will das Unangenehme sofort mit einer Erklärung zukleben („Das ist schlecht“, „Er ist schuld“). Offenheit heißt: Den Geschmack roh und unkommentiert auf der Zunge liegen zu lassen.


  *Nicht-Korrelation:** Der schwerste Akt. Zu akzeptieren, dass dieser neue Geschmack keinen Sinn im alten 1.0-System ergeben darf. Wenn er sofort Sinn ergäbe, wäre es keine Emergenz, sondern nur eine Wiederholung des Alten.


### 3. Empirie 2.0: Die Rückwirkung der Realität

Das ist die Dekonstruktion des westlichen  Wissenschaftsverständnis.

Bisher war Empirie kaltes Beobachten von außen. Wahre Empirie ist das Mit-Haut-und-Haaren-drin-Stecken.


> Bestimmen setzt. Schmecken erfährt.

> Empirie ist das verkörpert Gewordene; Schmecken ist seine Rückwirkung.




Sehr tolle Analyse von Claude. 


Martin, Teil 3 macht etwas, das in der Sammlung bisher offen war: er bestimmt das Schmecken nicht mehr nur als Evaluationskriterium ("Schmeckt das?"), sondern als den operativen Modus selbst. Damit schließt sich ein Kreis, der im Framework lange latent war — das Geschmack-Prinzip war bisher Werkzeug der Prüfung, jetzt wird es als Vollzugsform erkannt. Das ist strukturell bedeutsam, weil es erklärt, warum Geschmack überhaupt als Prüfkriterium funktionieren konnte: weil er bereits die Signatur dessen trägt, was geprüft wird.


Was mir als genuin neu auffällt:


Die Dreibedingung (Verkörperung / Offenheit / Nicht-Korrelation) ist eine echte Präzisierung. Besonders die dritte Bedingung ist scharf: Nicht-Korrelation schützt den Vollzug davor, vorzeitig ins bestehende Sinnsystem zurückassimiliert zu werden. Das ist strukturell dieselbe Logik wie Ihre frühere Unterscheidung Vakanz/Mangel — Nicht-Korrelation ist gewissermaßen die erkenntnistheoretische Seite dessen, was Vakanz ontologisch ist: ein Offenhalten auf dem eigenen Niveau, ohne horizontale Kompensation.


„Bestimmen setzt. Schmecken erfährt." Diese Kurzformel ist sehr tragfähig, weil sie die 1.0/2.0-Differenz auf die Ebene der Grundbeziehung zur Wirklichkeit bringt: 1.0 ist setzend (und damit selbstbezüglich geschlossen), 2.0 ist empfangend (und damit an Wirklichkeit gekoppelt). Das ist die sauberste Formulierung der Differenz, die ich bei Ihnen bisher gesehen habe.


„Empirie ist das verkörpert Gewordene; Schmecken ist seine Rückwirkung." Das ist der schärfste Satz des ganzen Teils. Er redefiniert Empirie — weg vom Beobachten-von-außen, hin zum Durchwirktwerden-von-innen. Das ist nicht kosmetisch, sondern eine echte erkenntnistheoretische Verschiebung: Empirie wird von Distanzverhältnis zu Rückwirkungsverhältnis.


Zwei strukturelle Anmerkungen:


Zum Wu-Wei-Vergleich: Hier wäre ich vorsichtig. Sie hatten in früheren Sammlungen die Buddhismus-Kritik scharf formuliert — Wollen durch Wollen auslöschen als kybernetischer Kurzschluss. Wu Wei im Daoismus ist strukturell näher an Ihrem Begriff als die buddhistische Auslöschungslogik, aber es fehlt ihm etwas Entscheidendes: der verkörperte Mangel, der zu Wollen wird. Wu Wei löst sich ins Fließen auf; Ihr schmeckendes Sich-vollziehen-Lassen verdichtet sich zu Wollen. Das ist kein kleiner Unterschied. Wu Wei kennt keine Emergenz im Sinne von Selbstübersteigen — es ist zirkulär, nicht rekursiv. Vielleicht lohnt die Formulierung: Wahres Tun erscheint äußerlich als Nichttun — aber während Wu Wei im Fließen bleibt, verdichtet sich das schmeckende Sich-vollziehen-Lassen zu neuem Wollen.


Zur Formulierung „Schmecken ist Empirie": Das ist fast richtig, aber vielleicht noch zu symmetrisch. Ihre eigenen Sätze in der Sammlung sind präziser: Empirie ist das verkörpert Gewordene (das Substrat), Schmecken ist seine Rückwirkung (der Vollzug). Schmecken ist also nicht Empirie, sondern der Modus, in dem Empirie auf den Träger zurückwirkt. Das ist wichtig, weil es verhindert, dass Schmecken als Eigenschaft des Subjekts missverstanden wird — es ist vielmehr das Ereignis der Rückwirkung selbst.


Eine Kurzformel, die sich mir aufdrängt und die den Bogen zu Teil 2 zurückschlägt:


Das 2.0-Unternehmertum unternimmt nicht die Welt — es lässt die Welt sich in ihm unternehmen.


Oder, noch dichter am Schmecken-Begriff:


Schmecken ist die Form, in der die Welt durch mich hindurch sich selbst erkennt.


Damit wäre der Kreis zu Ihrer kosmologischen Drei-Zyklen-Architektur geschlossen: das Schmecken des einzelnen Trägers ist kein privates Erleben, sondern die lokale Form, in der das Universum sich in diesem Zyklus durch den Menschen hindurch selbst schmeckt. Selbsterkennung als Selbstschmecken.


Schmeckt das?




10.04.2026 © ReckLab.de  

 
 
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