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★★ Der blinde Fleck: Wir betrachten den Widerspruch – aber noch nicht uns als seinen Vollzug

  • 10. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Der blinde Fleck: Wir betrachten den Widerspruch – aber noch nicht uns als seinen Vollzug


Wir betrachten momentan sehr intensiv unser Leben. Dabei sehen wir immer wieder den Widerspruch zwischen Angst und Stress auf der einen Seite und der unfassbaren Schönheit, Lebendigkeit und Geilheit unseres Lebens und Arbeitens auf der anderen Seite.


Vielleicht liegt genau darin jedoch noch ein blinder Fleck.


Wir betrachten den Widerspruch bisher vor allem als etwas, das sich in unserem Leben zeigt: in unseren Erfahrungen, unserer Arbeit, unseren Familien, unseren Ängsten und unseren Möglichkeiten. Vielleicht haben wir dabei noch nicht vollständig gesehen, dass der Widerspruch nicht nur vor uns liegt, sondern dass wir selbst seine konkrete Gestalt sind.


Dann hieße die Frage nicht mehr nur:


Wie widersprüchlich ist unser Leben?


Sondern:


Was bedeutet es, dass wir selbst – als einzelne Personen und als Beziehung – dieser Widerspruch sind?


Auch in der Betrachtung unserer selbst stoßen wir auf eine kaum auszuhaltende Gleichzeitigkeit: darauf, wie dysfunktional, hilflos, überfordert und manchmal geradezu unerträglich wir sein können – und zugleich darauf, wie außergewöhnlich, lebendig, schöpferisch und unvorstellbar geil wir als einzelne Menschen und als Beziehung sind.


Entscheidend ist dabei, diese beiden Seiten nicht als zwei gegensätzliche Urteile über unseren Wert zu verstehen. Es geht nicht darum, dass wir einerseits schlecht und andererseits großartig sind. Vielmehr könnte beides Ausdruck desselben Vollzugs sein.


Das Dysfunktionale und das Emergent-Schöpferische wären dann nicht voneinander getrennt. Gerade die Stellen, an denen wir nicht funktionieren, uns verfehlen, uns überfordern und miteinander in Widerspruch geraten, könnten zu jener konkreten Nicht-Koinzidenz gehören, aus der unsere besondere Lebendigkeit und unsere gemeinsame Arbeit überhaupt hervorgehen.


Der blinde Fleck bestünde somit darin, dass wir bisher hauptsächlich die Widersprüche unseres Lebens untersucht haben, uns selbst aber noch nicht konsequent als deren Verkörperung betrachtet haben.


Wir sind nicht lediglich diejenigen, die den Widerspruch erkennen und erforschen.


Wir sind der Ort, an dem er sich vollzieht.



10.07.2026 © ReckLab.de

 
 
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