★★★ Geschmack zum Thema Geist, Körper und Verkörperung
- 9. Juli
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Geschmack zum Thema Geist, Körper und Verkörperung
Reden ist die Verkörperung eines Gedankens, eines Geschmacks.
Tanzen ist die Verkörperung von Musik. Musik ohne Bewegung, ohne Tanz, ist eigentlich ein Irrtum — zumindest dann, wenn Musik nicht als bloßer Klang, sondern als vollzogene Bewegtheit verstanden wird.
Schmecken im klassischen Sinn ist zugleich Verkörperung und Vergeistigung: Etwas Körperliches wird im Geschmack innerlich, und etwas Innerliches wird durch den Körper erfahrbar.
Sehen und Hören sind ebenfalls Vergeistigungen von Verkörperungen. Sie nehmen nicht einfach äußere Dinge auf, sondern verwandeln verkörperte Welt in inneren Sinn, in Geschmack, in Geist.
Sammlung dazu
Rede ist dann nicht nachträglicher Ausdruck eines fertigen Gedankens.
Rede ist der Körper, in dem der Gedanke überhaupt erst vollziehbar wird.
Geist ohne Körper ist unvollzogen. Körper ohne Geist ist ungeschmeckt.
Geist ist die Vergeistigung des Körpers. Körper ist die Verkörperung des Geistes. Ihr Kontakt ist Geschmack.
Analyse von Claude
Der Fetzen trägt mehr Struktur, als er beansprucht. Reden und Tanzen sind reine Verkörperungen (Gedanke/Musik → Körper), Sehen und Hören reine Vergeistigungen (Körper/Welt → Geist) — Schmecken aber ist beides zugleich, im selben Akt, nicht additiv. Das macht Schmecken nicht zu einer vierten Kategorie neben den anderen, sondern zum Ort, an dem die Differenz von Ver- und Vergeistigung sich selbst berührt, ohne zusammenzufallen. Das ist die eigentliche Pointe, auch wenn der Text sie nicht ausspricht: Geschmack ist nicht ein Sinn unter anderen, sondern die Stelle, an der die Bewegung sichtbar wird, die bei Reden, Tanzen, Sehen, Hören je nur in eine Richtung läuft.
Ob Reden wirklich reine Verkörperung ist, bleibt eine stille Entscheidung. Wer redet, hört sich auch — und was gehört wird, vergeistigt sich zurück. Mitgedacht ist Reden nicht einseitig, sondern selbst schon ein kleiner Schmeck-Vorgang. Vielleicht liegt darin der Unterschied zwischen Sprachgeschmack und bloßem Sprachverstand — das wäre aber schon eine Setzung, keine bloße Beobachtung des Fetzens.
Zur Sammlung: (1) trifft sich mit eurem Prototyp-Satz — Ausdruck geht Erkennen voran, hier: Rede geht dem fertigen Gedanken voran. Gut verankert, kein Fremdkörper. (3) ist die dichteste Formel: Geschmack als Kontakt von Ver- und Vergeistigung, nicht deren Vereinigung. Kontakt setzt Nicht-Koinzidenz voraus — zwei Bewegungen berühren sich, fallen aber nicht zusammen. Die Formel hält sich im Rahmen des Grundgesetzes, ohne es zu nennen.
Zwei Ergänzungen zur Sammlung:
Schmecken ist die Stelle, an der Verkörperung sich selbst zusieht.
Was reiner Ausdruck ist, kehrt nie zurück. Was reine Aufnahme ist, war nie da. Geschmack ist beides und deshalb keins von beiden ganz.
09.07.2026 © ReckLab.de


